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Schottertour extrem 2008

Ich hatte nochmal richtig Lust meine alte, treue Domi auszuführen und so hab ich mir die Schotterwege im italienisch/französischen Grenzgebiet vorgenommen.

Die Verladestation in Alessándria. Ich musste zeitig buchen, 172 Euro von Neu-Isenburg bei Frankfurt. Das 5er Abteil teilte ich mit zwei Jungs aus der Nähe von Aachen und einem älteren Ehepaar. Da ich schon öfters mit dem Autozug gefahren bin, hatte ich meinen MP3-Player bzw. Oropax dabei. Ankunft um 6.45 Uhr. Bis man aber los kann vergeht oft mehr als eine Stunde.


Gott und die Welt haben die Motorradfahrer als Wirtschaftsfaktor erkannt und so wird man von der Region am Bahnhof begrüsst. Den vielen GS und LC8 nach zu urteilen, bewegte sich die Masse der Biker in Richtung Berge. Alessándria ist aber auch günstiger Ausgangspunkt für die Toscana bzw. Mittelmeer.

Pigna

Mein GPS hat mich dann superschnell aus Alessándria raus auf die Autobahn geführt und ich bin dann nach Ventimiglia geföhnt. Raus aus dem Nebel zu 24 Grad und blauen Himmel. Durch die Stadt gewühlt und durch das wunderschöne Val Roia nach Pigna, meinem Ausgangspunkt der Schottertour. Dort hatte ich gleich ein lustiges Erlebnis. Ein Ape-Fahrer (Dreirad) verfolgte mich bis zu einem Café, in dem ich mich niederließ. Er gab sich als Dominator-Fahrer zu erkennen und er betonte ausdrücklich, dass er eine Domi der ersten Serie, gleich meiner, besitzt. Er hat mich dann solange gelöchert bis ich ihm all meine techn. Veränderungen erklärt hatte. Dann rief er noch irgendwelche Leute an, die ihm bestätigten, dass die Ligurische-Grenzkamm-Strasse frei sei, bezahlte meinen Capuccino und knatterte von dannen.

Bis zum Beginn des Schotters kann man sich in den Kehren am Colla di Lagnan bzw Colla Melosa warmfahren.

Diesem Schwachsinn haben wir die Grenzkamm-Strassen zu verdanken. Bunker am Colla Melosa

Schon auf Schotter am Col Betrand

Im Hintergrund das alte Refugio Don Barbera, vorne das neue, leider ab 15. September geschlossen. 
 

Beginn der Rüttelstrecke in Richtung Norden. Die Strecke hatte teilweise den Charakter eines Bachbettes. Vom Refugio Babera bis zum Fort Central hätte ich mich mit meiner V-Strom gequält und alles los geschüttelt. Überhaupt sollte man registrieren, dass die Strecke (ca. 70 km) volle Konzentration erfordert. Der Untergrund besteht hauptsächlich aus fest verankerten, teilweise scharfen, Gestein. Die Prüfung für Gabel und Stoßdämpfer schlechthin. Da lob ich mir doch die 240 mm Federweg und den White-Power Dämpfer meiner alten Domi.

Die berühmte Steilkehre am Col de Boaire

 

Ich war gut in der Zeit und beim Anblick des alten Tenda-Passes stieg mein Adrenalien-Spiegel. Also rein in den Tende-Tunnel, den neuen Tenda-Pass runter, in Tende einen Capuccino rein, wieder zurück und rein in den alten Pass. Wer den nicht gefahren ist, kann nicht mitreden (ggg). 48 Kehren, anfangs Teer, dann Schotter, am verfallenen Refugio vorbei hoch zum Fort Central.

Die Domi am Fort Central. Das Wetter war mir wohl gesonnen. Von diesen Eindrücken werde ich wohl noch eine zeitlang zehren.

Fort Central

Tende

Blick auf das Fort Central vom alten Tende-Pass.

Meine erste Bleibe auf der Nordseite des neuen Tende-Passes. Allein-Reisen macht unabhängig, ist aber teuer. Ich hab überall den vollen Preis für ein Doppelzimmer gelatzt, war mir aber wurscht. Gutes Zimmer und gutes Essen, das war (ist) mir wichtig.

Mein GPSmap 60 CSx, meine beste Investition in letzter Zeit. Da ich das Teil auch beim Mountainbiken brauche, fiel die Entscheidung auf dieses (kompakte)Teil. Kann alles, sogar Autorouting. Höhenmesser, elektrischer Kompass und natürlich die Trackaufzeichnung. Das Display ist bei Fremdstrom selbst bei extremer Sonneneinstrahlung lesbar, einfach klasse das Teil.

Col di Sampeyre
Während des Frühstücks am folgenden Tag kamen mir so die Zweifel, ob die zweifellos gigantischen Eindrücke das Risiko rechtfertigen, das ich als Alleinreisender eingehe. Man denke nur mal darüber nach, wie zu verfahren ist, wenn einem in der Einsamkeit der Grenzkammstrassen die Kette reißt. Handyempfang? ADAC?: zero. Also ließ ich von meinem Vorhaben ab, mich über die Maira-Stura und die Vareita-Stura Kammstrasse nordwärts zu bewegen. Deshalb neue Streckenführung: Vom Hotel über Borgo, Dronero in´s traumhafte Valle Maira

Col di Sampeyre, der von Stroppo nach Sampeyre geht. Bin den ohne Verkehr bei Traumwetter gefahren, Herz, was willst Du mehr.

 

Dann über den Col Agnel zum Klassiker Col d ´Izoard

Col d ´Ilzoard

Das berühmte Refugio Napoleon am Col d `Izoard. Da bin ich immer vorbei gefahren. Hab mir dort erstmals eine Pause gegönnt und dem Treiben zugeschaut, sehr unterhaltsam.

Die Festung von Briancon, der höchst gelegen Stadt Europas


Schon auf der Zufahrt zur Assietta Grenzkammstrasse, im Hintergrund Sestriere.

Im Gegensatz zur LKS gibt´s auf der Assietta auch Schlammpassagen. Entsprechend sah meine Domi später aus.

Assietta

Assietta
Die Assietta-Grenzkamm-Strasse ist streng reglementiert. Alle Quer Zu- und Abfahrten sind gesperrt. In den Monaten Juli/August ist sie an Wochenenden für Fahrzeuge gesperrt. Von Ende Oktober bis Ende April komplett ebenfalls gesperrt (Wintersperre) Sonst ausdrücklich frei gegeben. Die Region versucht den Motortourismus zu kanalisieren. Hoffentlich halten sich viele drann. Dass trotz der Freigabe die Befahrung immer noch ein Abenteuer ist, bewies meine Erfahrung an diesem Tag. Ich wollte die Assietta planmäßig von Sestriere nach Susa durchfahren. Klappte anfangs top, kam dann nach dem Colle Assietta um eine Kehre in Richtung Pian Alpe und stand vor einem Sperrschild, das eine Baustelle ankündigte. Ein paar Meter weiter sah ich einen italienischen Transalp-Fahrer, der mit dem dort arbeitetenden Bagger-Fahrer wild diskutierte. Da ging nichts mehr. Normalerweise sind die Baustellenarbeiter kulant und sorgen dafür, dass man vorbei kommt. Das ging an der Stelle nicht so einfach und so gab mir der Transalp-Fahrer zu verstehen, dass wir den ganzen Weg zurück nach Sestriere müssen.
Was soll´s, wir taten uns zusammen und sind den Weg zurück gefahren. Der Junge hatte es eilig und ich musste ganz schön am Gas drehen, um drann zu bleiben.

Susa
Dann auf der Strasse von Sestriere nach Susa und dort in´s Hotel

Ich befand mich in bester Gesellschaft. Das ist nur eine Garage von dreien. Ganze Cliquen mit GS und LC8. Die Jungs haben im Pulk die umliegenden Schotterstrecken abgefahren, hoffentlich vernünftig. Dort traf ich auch die Jungs aus dem Zugabteil. Sie sind morgens noch irgendwie durch die Baustelle an der Assietta gekommen und konnten komplett durchfahren.

Dann am nächsten Morgen auf den Col du Mont Cenis

Lac du Mont Cenis. Von da ab gehen jede Menge interessante Stichstrassen ab.

Dann nochmal ein Klassiker, der Col d´Iseran bei Traumwetter

Col d´Iseran

Auf der D 902, die von Bourg Saint-Maurice in Richtung Albertville geht. Sehr schön.

D 902

Lac de Annecy, dort war die Hölle los, von Nebensaison keine Spur.
Ich hab mir dann in Champagnole (franz. Jura) ein Hotel gesucht und am darauf folgenden Tag zügig die Heimreise angetreten. Hatte noch einen kurzen Abstecher zum Ballon d`Alsace gemacht. Kein Verkehr, sehr angenehm aber ziemlich kühl an dem Tag. Dann über Nancy, St. Avold Saarbrücken heim.

Col du Ballon, Elsass

1900 km in 4 Tagen. Ich hatte (wieder mal) Glück mit dem Wetter. Bei Regen kann man um diese Zeit diese Tour vergessen. Es fiel auch schon Schnee in den Tagen vorher. Ich war so ziemlich der einzige, der mit Gepäck unterwegs war. Fast alle haben die Strecken von einem zentralen Punkt abgefahren. Bekanntermaßen sind Bestrebungen im Gange, alle noch legal zu befahrende Strecken für den Motortourismus zu sperren. Ich hab schon eine Meinung dazu. Auf jeden Fall hab ich die von der Sperrung bedrohte Strecken noch schnell abgefahren. Meine gewonnenen Eindrücke kann mir keiner mehr nehmen. Vielleicht ergibt sich noch mal die Gelegenheit, dann aber mit Begleitung und ohne Gepäck.

Links/Literatur:
Golletz, Markus: Westalpen mit dem Motorrad
Golletz, Markus: Die schönsten Motorradtouren Norditalien, Verlag Bruckmann
Denzel: Grosser Alpen Strassen Führer, möglichst Auflage 24, wegen den aktuellen Sperrungen
Karten:
Michelin 333, 334, 341  1: 150 000
Lokale Karte Susa Nr.1 (vor Ort erhältlich)
www.alpenrouten.de 

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